Journalistisches Schreiben

Workshopteilnehmer beim Besuch des St. Pauli Gartendecks

Im Wochenendworkshop "Journalistisches Schreiben" wird das journalistische Handwerk kennen gelernt und angewendet. Der Sommerkurs 2011 endete mit einem Besuch des "Gartendecks" in der Großen Freiheit. Über das Projekt gemeinsamen nachbarschaftlichen Gärtnerns wurde von den Seminarteilnehmenden ein Bericht verfasst. Hier ein Beispiel:

Der Kiez wird zum Garten
Mit den Nachbarn gärtnern - in unmittelbarer Nähe zu Nachtclubs, Diskotheken und Kneipen? In der Großen Freiheit zwischen St. Pauli Druckerei und Indra gibt es eine kleine Oase für Hobbygärtner und solche, die es noch werden wollen. Mitten in der Stadt bauen sie auf dem "Gartendeck" Gemüse in Bioqualität an. Der Garten befindet sich auf einem 1.100 Quadratmeter großen Parkdeck, das mit grauen Bauschutzmatten ausgelegt ist. Fünfstöckige Wohnhäuser und eine Fabrikhalle mit ihrem leuchtend roten Klinkerschornstein säumen die Fläche. Gartenkultur mit Industrieambiente.

Statt auf sauber geharkten Beeten gedeihen hier Gemüse und Kräuter, Mais und Kartoffeln in gelben Plastikkisten und weißen Reissäcken. Aus einem improvisierten Gewächshaus leuchten ein paar rote Tomaten. Es sieht ein bisschen aus wie in der Gartenabteilung eines Baumarktes. Alles gut verpackt und allzeit fertig zum Transport. Die mobilen Beete sind Teil eines gemeinnützigen Projekts zum Thema Gemeingüter. Das "Gartendeck" ist ein Experiment, wie Menschen gemeinsames Eigentum nutzen. Der Garten gehört allen und er ist für alle offen.

Geldgeber des Nachbarschaftprojekts ist das Internationale Sommerfestival Hamburg, das vom Kulturzentrum Kampnagel organisiert wird. Zwischen 20 und 30 Personen hegen regelmäßig das Gemüse auf dem "Gartendeck". Dass die Ernte aufgrund des späten Projektstarts diese Jahr nicht so üppig ausfällt, spielt keine Rolle. Vielmehr geht es um die Idee, in der Stadt einen Garten gemeinsam zu bewirtschaften. Zusammen säen, jäten, gießen und ernten schafft ein Gemeinschaftsgefühl. "Die Fokussierung auf die Ernte verschwindet dabei", erklärt Claudia Plöchinger (33), eine der zwei hauptamtlichen Betreuer des Projekts. "Es geht um das gemeinschaftliche Tun und Teilen und nicht um den Ertrag." Deshalb wird das kolletiv gezogene Gemüse dann auch gemeinsam gekocht. "Es ist doch absurd, wenn ich unsere Tomaten für mich alleine in den Kochtopf schmeiße."