Ausstellung "Jüdisches Schulleben am Grindel"

Ausstellung "Jüdisches Schulleben am Grindel"

Geografie-Unterricht 1924: Das Mädchen vorne an der Tafel zeigt auf Hamburg. Keine der Schülerinnen hätte sich vorstellen können, jemals woanders zu leben. (Foto: CAHJP)

 

Die 2011 umgestaltete Dauerausstellung zum ehemaligen jüdischen Schulleben am Grindel ist donnerstags 14-18 Uhr geöffnet. Führungen für Schulklassen und andere interessierte Gruppen sind auch zu anderen Zeiten nach Absprache möglich. Für Schulklassen sind sie entgeltfrei.
Die Hamburger Volkshochschule als Träger der Gedenk- und Bildungsstätte Israelitische Töchterschule bietet im Dr. Alberto Jonas-Haus im Rahmen ihrer politischen Bildung ein besonderes Veranstaltungsangebot zur jüdischen Geschichteund Gegenwart an. Auch hebräische und jiddische Sprachkurse fi nden hier statt.

Die Ausstellung

In acht Themenbereichen präsentiert sich den Besuchern das ehemalige jüdische Schulleben in Hamburg. Fotos aus Privatbesitz und ausdrucksstarke Dokumente geben Einblick in den schulischen Alltag vor 1933 und in die Zeit danach, als im Nationalsozialismus die Israelitische Töchterschule zu einem letzten Hort geborgener jüdischer Kinder- und Jugenderziehung wurde.
Ein Rundgang beginnt mit der Geschichte der Israelitischen Töchterschule: 1884 zu einer Zeit
gegründet, als sich das städtische Leben aus den beengten Verhältnissen der früheren Topografi e vor die Stadttore zu verlagern begann, wurde die einstige Mädchenarmenschule bald zu einer Bildungseinrichtung von hervorragendem Ruf. Mit einem Volks- und einem Realschulzweig verwirklichte sie früh die Idee integrierter schulischer Erziehung. Die nächsten Tafeln zeigen das pädagogische Umfeld: Zwei weitere Hamburger jüdische Mädchenschulen, Lyzeen in der Bieberstraße und der Johnsallee, die im Zuge der Wirtschaftskrise schließen mussten; das Knabenwaisenhaus am Papendamm und das Paulinenstift, ein Mädchenwaisenhaus im Laufgraben mit angeschlossener Haushaltungsschule. Breiten Raum nimmt die Geschichte der Talmud Tora-Schule ein, die jüdische Knabenschule am Grindelhof 30.
Die Veränderungen nach 1933 kamen allmählich, erfassten nach und nach das gesamte jüdische Schulleben. Aus den allgemeinen Schulen herausgedrängt, sorgten zunächst viele neue Schüler für ein Ansteigen der Schülerzahlen. Die Ausstellung zeigt, wie sich dann der Schulalltag im Zeichen von Flucht und Vertreibung wandelte: Neue Ausbildungswege zur Vorbereitung der Auswanderung, Zusammenlegung der Schulen, verzweifelte Bemühungen schließlich, Kinder ins rettende Ausland zu bringen. „Selbstbehauptung“ ist der Bereich benannt, der zeigt, wie in der letzten Zeit der Unterricht irgendwie aufrechterhalten, das Schulleben trotz tödlicher Bedrohung bis Juni 1942 gestaltet wurde.

 

„Es ist nicht richtig zu sagen, mein Kind kann und soll die Weltkultur wie jedes andere Kind in sich aufnehmen und in das Judentum in besonderem Unterricht eingeführt werden. ... Erst die gleichzeitige und einheitliche Vermittlung beider Ideenwelten schafft die einheitliche Erziehung und bildet den einheitlichen Charakter.“ (Dr. Alberto Jonas 1930)

Die Ausstellung (Auszüge) / Ausstellungseröffnung

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