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Home > VHS-Spezial > Grundbildung > analphabetismus

 

 

Analphabetismus in Deutschland

Die Zahl der deutschsprachigen Erwachsenen, die nicht ausreichend lesen und schreiben können, wird auf vier Millionen geschätzt. Diese Zahl ergibt sich unter anderem aus der Zahl der Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss, die zum Teil über nur geringe Lese- und Schreibkenntnisse verfügen. Selbst diese Kenntnisse werden dann nach der Schulzeit wieder ver­lernt, da das Schreiben vermieden wird. Die Betroffenen verstecken ihre Lese- und Schreibschwäche und ziehen sich immer weiter aus dem öffentlichen Leben zurück. Zunehmend werden diese Menschen auch aus dem Arbeitsleben verdrängt, denn Arbeitsplätze für Ungelernte werden abgebaut. Der soziale Abstieg in die Sozialhilfe ist vorprogrammiert.

Nach ihrem Kenntnisstand kann man diese sekundären Analphabeten in drei Gruppen aufteilen:

  • Sie können gar nicht lesen und schreiben und haben nur unzureichende Buchstabenkenntnisse.
  • Sie lesen stockend und schreiben alles so, wie sie es hören.
  • Sie können lesen und schreiben, machen aber sehr viele Fehler und sind dadurch sehr unsicher. Sie vermeiden deshalb das Schreiben in der Öffentlichkeit.

Es gibt unterschiedliche Ursachen für eine Lese- und Schreibschwäche. Oftmals treffen mehrere Faktoren zum Zeitpunkt des Lesen- und Schreibenlernens zusammen:

  • schwierige familiäre Verhältnisse (viele Geschwister, Scheidung der Eltern, beengte Wohnver­hältnisse, finanzielle Probleme, Alkoholismus der Eltern, Desinteresse der Eltern an der Entwicklung der Kinder, Heim- oder Krankenhausaufenthalte, häufige Umzüge verbunden mit Schulwechsel, Zweisprachigkeit)
  • unzureichende Förderbedingungen in der Schule (zu große Klassen, keine Fördergruppen, keine Hausbesuche, zu schnelles Lerntempo)
  • individuelle Störungen (diagnostizierte Legasthenie, Hyperaktivität, Hirnerkrankungen, Seh- und Hörschäden)

Die Betroffenen bringen auf Grund der erlebten Misserfolge und der öffentlichen Diskriminierung nur schwer den Mut oder die Kraft auf, einen neuen Anfang zu machen. Es gibt Situationen, in denen sich der Druck erhöht, so dass der Schritt gewagt werden muss, z.B. wenn der Schulbesuch der eigenen Kinder bevorsteht, eine neue Partnerschaft eingegangen wird, sich Veränderungen am Arbeitsplatz ergeben oder Arbeitslosigkeit droht.

Den Anstoß geben oft Informationen, die die Betroffenen von Beratungsstellen, Sozial- und Arbeitsämtern oder über Zeitungsartikel und Fernsehsendungen bekommen.


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