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Online-Kurs absolviert: Protokoll einer tollen Erfahrung

Ulricke Rühlemann

Virtuelle Begegnungen im Online-Kurs – Protokoll einer etwas anderen VHS-Erfahrung

Ulricke Rühlemann (33) liebt das Spiel mit der Sprache und hat sich deshalb für den VHS-Kurs „Online Kurzgeschrichten schreiben“ entschieden. Die Mutter einer dreijährigen Tochter ist begeistert vom Online-Format.

Das Online-Format ist toll für mich. Weil ich alleine schreiben will und den Kurs auch mit einem Kleinkind zu Hause vereinbaren kann. Ich kann mir die die Aufgaben selber einteilen und bin in der Lage zu sagen: „Heute Abend habe ich Zeit und Lust.“ Ich hoffe, dass ich mich durch den Kurs besser disziplinieren und mal eine Geschichte zu Ende bringen kann. Denn auf meiner Bucket-List fürs Leben steht noch: ein Buch schreiben. Ich finde es gut, etwas Druck von außen zu haben und eine Deadline für meine Texte. Wenn keiner darauf wartet, ist es eher schwierig, etwas fertigzustellen. Durch die anderen Kursteilnehmer bin ich motivierter. Ich zeige ihnen, was ich geschrieben habe und bekomme ein Feedback. Das ist neu für mich und bringt mich weiter. Bisher hat meine Texte niemand gelesen.

Es geht mir eher um das Schreiben als um das Zeigen. Durch die wertschätzende Atmosphäre im Kurs habe ich das Gefühl: Hier kann mir nix passieren. Der sanfte Druck hilft mir, meinen inneren Schweinehund zu überwinden.

Unser erstes Treffen im virtuellen Kursraum habe ich als sehr positiv empfunden.

Ich habe mich wahnsinnig gefreut, dass der Kurs stattfinden konnte. Das war anfangs nicht klar. Nun ist er eine willkommene Corona-Ablenkung. Technisch hat bis auf ein paar kleine Störungen alles gut geklappt, ich bin sofort in den Kursraum reingekommen. Man merkt natürlich, wer auf der Arbeit Chatprogramme benutzt, und für wen diese Art der Kommunikation noch neu ist. Wenn man es nicht gewohnt ist, in die Kamera zu sprechen, kostet das schon Überwindung. Man muss sich mehr trauen als in einer Gruppe vor Ort. Weil man die Zustimmung der anderen nicht hört, spricht man quasi ins Leere und kriegt nicht mit, wenn alle lachen. Vor allem, wenn man auf einem Themengebiet nicht so sicher ist, kann das herausfordernd sein. Mir fiel es allerdings leicht, weil ich beruflich oft an Video-Konferenzen teilnehme. Wie im Online-Kurs benutzen wir auch auf der Arbeit einen Sharepoint, auf dem man Dateien ablegen und teilen kann. Das kriege ich hin.

Es ist schön, im Chat Gemeinsamkeiten festzustellen oder zu merken, dass andere einen Kommentar witzig finden.

Bei unserem virtuellen Treffen hat die Kursleiterin immer zwei Kursteilnehmer „verpartnert“. Lustigerweise ist meine Partnerin eine Freundin von mir, die ich im letzten Jahr etwas aus den Augen verloren habe. Wir haben uns im Kurs zufällig wiedergetroffen. Ich freue mich, dass wir nun zusammenarbeiten dürfen, denn wir haben eine große Vertrauensbasis. Im Moment sind wir in der Phase des freien Arbeitens. Eine unserer Aufgaben ist, Listen zu füllen, auf deren Grundlage wir später Geschichten schreiben. In einer Liste sammeln wir einzelne Wörter. In einer anderen Liste Inspirationen. Das ist spannend, jeder findet etwas anderes inspirierend. Wir geben uns gegenseitig Input und denken nicht: Worüber soll ich denn jetzt schreiben? Das lockert das Ganze auf. Ich bin gespannt, wie ich in den Schreibfluss komme. Anfangen ist das Schwierigste. Deshalb finde ich es gut, sich gegenseitig Rückenwind zu geben und auch mal anzupiksen.

Ich finde es toll, wenn die Volkshochschule ihr Online-Programm weiter ausbaut.

Den Präsenztermin habe ich nicht vermisst. Trotzdem hoffe ich, dass der Abschlusstermin wie geplant stattfinden kann – denn ein virtuelles Kennenlernen ersetzt das echte Treffen natürlich nicht. Wir haben uns zwar auf dem Bildschirm gesehen, wissen aber nicht: Wie riecht die Person? Wie bewegt sie sich? Ich bin gespannt, die Leute kennenzulernen, die ich bisher nur virtuell getroffen habe.

Aufgezeichnet von Maike Schlaht

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